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Zuege von London nach Europa alle 15 Minuten: Kann das wirklich passieren?

Zuege von London nach Europa alle 15 Minuten: Kann das wirklich passieren?
Foto: Tomas Anton Escobar / Unsplash

Die Idee klingt fast wie ein U-Bahn-Takt: am Londoner Bahnhof St Pancras ankommen und etwa alle 15 Minuten einen weiteren Hochgeschwindigkeitszug auf das europaeische Festland finden. Genau diese Ambition wird nun fuer den Bahnverkehr durch den Eurotunnel bis Ende der 2020er Jahre diskutiert, waehrend Eurostar moegliche Konkurrenz von Virgin Trains, Trenitalia und weiteren Anbietern bekommt. Laut Euronews gibt es derzeit rund 25 taegliche Eurostar-Hin- und Rueckfahrten. Die Hoffnung ist, diese Zahl bis Ende des Jahrzehnts auf etwa 55 zu steigern. Fuer Reisende waere das eine grosse Veraenderung. Es koennte mehr Abfahrten, mehr Auswahl und einen weniger engen Markt bedeuten. Garantiert ist es aber noch nicht, und es ist nicht so einfach, nur ein paar Zuege in den Fahrplan zu schreiben.

Was sich aendern koennte

Die wichtigste Zahl ist leicht zu verstehen: mehr Zuege durch den Eurotunnel. Heute dominiert Eurostar den Personenverkehr zwischen London und dem europaeischen Festland, mit den bekannten Verbindungen nach Paris, Bruessel und Amsterdam. Wenn neue Betreiber alle noetigen Genehmigungen erhalten, koennten diese Korridore deutlich voller werden.

Die oft genannte Idee "alle 15 Minuten" sollte vorsichtig gelesen werden. Sie bedeutet nicht zwingend, dass den ganzen Tag und jeden Tag alle Viertelstunde ein Zug nach Paris faehrt. Gemeint ist eher ein kombiniertes Niveau internationaler Abfahrten ab London, das zu starken Zeiten etwa vier Verbindungen pro Stunde erreichen koennte. Einige davon wuerden weiterhin nach Paris, Bruessel oder Amsterdam fahren; neue Betreiber koennten aber auch andere Muster, zusaetzliche Frequenzen oder neue Ziele anstreben.

Fuer Fahrgaeste waere die praktische Verbesserung vor allem Flexibilitaet. Eine verpasste oder unpassende Abfahrt waere weniger problematisch, wenn bald ein weiterer Zug folgt. Kurze Staedtereisen liessen sich einfacher planen. Geschaeftsreisende haetten mehr brauchbare Morgen- und Abendoptionen. Familien koennten unguenstige Zeiten vermeiden, ohne fuer den einzigen sinnvollen Zug besonders viel zahlen zu muessen.

Die groessere Veraenderung ist psychologisch. Bahnreisen durch den Tunnel fuehlten sich oft eher wie eine Flugbuchung an als wie eine normale Inlandszugfahrt: wenige Betreiber, Sicherheitskontrollen, Grenzkontrolle und hohe Nachfrage an beliebten Terminen. Mehr Wettbewerb wuerde nicht jede Einschraenkung beseitigen, koennte den Markt aber weniger eng machen.

Wer die Zuege betreiben will

Virgin Trains ist der sichtbarste Herausforderer. Das Unternehmen hat einen Schritt nach vorn gemacht, nachdem es von der britischen Office of Rail and Road eine Vorabgenehmigung fuer den Zugang zu den Strecken erhalten hat. Das ist wichtig, aber noch nicht die endgueltige Erlaubnis. Virgin braeuchte weiterhin eine eigene Vereinbarung fuer den Eurotunnel selbst, der Eurotunnel gehoert.

Wenn die offenen Zugangsfragen geloest werden, peilt Virgin Verbindungen ab 2030 an. Damit wuerde das Unternehmen direkt in den London-Europa-Markt eintreten, in dem Eurostar seit drei Jahrzehnten der Standardname ist.

Trenitalia, der staatliche italienische Bahnbetreiber, ist ein weiterer wichtiger Name. Die Plaene deuten auf etwa 10 taegliche Hin- und Rueckfahrten ab 2029 hin, und das Unternehmen hat eine grosse Bestellung neuer Hochgeschwindigkeitszuege aufgegeben. Ein Teil davon soll voraussichtlich internationale Dienste unterstuetzen, moeglicherweise auch Verbindungen von und nach London.

Auch Gemini Trains, ein britisches Startup, interessiert sich fuer die Route und hat von 11 Zuegen pro Tag bis 2030 gesprochen. Die Huerde ist dort hoeher: Es braucht noch Zuege, Streckenzugang und eine Depotloesung. Das macht das Projekt nicht unmoeglich, zeigt aber, wie viel passieren muss, bevor eine neue Marke auf den Abfahrtstafeln erscheint.

Eurostar bleibt ebenfalls nicht stehen. Das Unternehmen hat bis zu 50 neue Zuege fuer die fruehen 2030er Jahre bestellt und neue Ziele wie Frankfurt und Genf ins Spiel gebracht. Selbst wenn Wettbewerber kommen, wird der bisherige Betreiber den Markt weiter praegen, weil er bereits Routen, Personal, Systeme, Markenbekanntheit und Betriebserfahrung hat.

Warum es so lange gedauert hat

Der Eurotunnel wurde 1994 eroeffnet, doch Wettbewerb im Personenverkehr hat sich nie so entwickelt, wie viele erwartet hatten. Die Infrastruktur existiert, und der Tunnel gilt seit langem als nicht voll ausgelastet. Internationaler Bahnverkehr ist aber kein normaler Markt, in den man einfach eintritt.

Jeder Betreiber braucht Genehmigungen in jedem Land, durch das er faehrt, sowie eine Genehmigung fuer den Tunnel. Die Zuege muessen technische und sicherheitsrelevante Regeln auf beiden Seiten des Kanals erfuellen. Grenz- und Sicherheitsprozesse muessen im Bahnhof funktionieren. Fahrplaene muessen in nationale und internationale Trassen im Vereinigten Koenigreich, in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und weiteren betroffenen Laendern passen.

Depotflaechen sind eine weitere praktische Barriere. Zuege brauchen in Grossbritannien einen Ort fuer Wartung und Abstellung. Temple Mills, das Depot der Eurostar-Operationen, hat begrenzte Kapazitaet, und der Zugang zu geeigneter Wartungsflaeche ist Teil der Wettbewerbsgeschichte geworden.

Dazu kommt London St Pancras. Der Bahnhof ist ein eindrucksvolles Tor nach Europa, aber nicht unbegrenzt erweiterbar. Internationale Fahrgaeste brauchen Check-in-Bereiche, Sicherheit, Grenzkontrolle, Warteflaechen und Bahnsteige. Mehr Zuege helfen nur, wenn auch der Fahrgastfluss mithalten kann. Wer zu Spitzenzeiten dort in der Schlange stand, weiss, dass der Engpass nicht nur im Tunnel liegt.

Was das fuer Reisende bedeuten koennte

Wenn die zusaetzlichen Verbindungen tatsaechlich kommen, ist der klarste Vorteil die Frequenz. Mehr Zuege schaffen realistischere Auswahl, besonders freitags, sonntags, in Schulferien und an Wochenenden mit grossen Veranstaltungen. Reisende haetten bessere Chancen, eine Abfahrt zu finden, die zur Reise passt, statt den ganzen Ablauf um knappe Sitzplaetze herum zu bauen.

Wettbewerb koennte auch die Preise beeinflussen, doch das ist schwerer vorherzusagen. Mehr Betreiber koennen Druck auf Tarife ausueben, aber internationaler Hochgeschwindigkeitsverkehr braucht teure Zuege, komplexe Personalplanung, Sicherheitsvorgaben und hat begrenzte Spitzenkapazitaet. Vielleicht werden zuerst guenstige Plaetze leichter verfuegbar, bevor der gesamte Markt deutlich billiger wird.

Auch das Reiseerlebnis koennte vielfaeltiger werden. Eurostar hat seinen eigenen Rhythmus und sein eigenes Produkt. Virgin wuerde wahrscheinlich ueber Marke und Service konkurrieren. Trenitalia bringt Erfahrung aus dem italienischen Hochgeschwindigkeitsverkehr und internationalen europaeischen Diensten mit. Verschiedene Betreiber koennen verschiedene Gepaeckregeln, Bordverpflegung, Klassen, Treueprogramme, Umbuchungsbedingungen und Buchungsplattformen bedeuten.

Diese Auswahl ist nuetzlich, verlangt aber genaueres Lesen. Das heutige Eurostar-Modell ist vertraut. Ein wettbewerbsintensiverer Markt koennte besser sein, aber weniger einheitlich.

Was man noch nicht annehmen sollte

Planen Sie eine Reise in den Jahren 2029 oder 2030 noch nicht so, als waeren Zuege alle 15 Minuten bereits bestaetigt. Derzeit geht es um Kapazitaet, Antraege und Ambition. Tunnelzugang, nationale Genehmigungen, Depots und die Abfertigung der Fahrgaeste im Bahnhof bleiben entscheidend.

Es ist auch zu frueh, um zu wissen, welche Strecken am meisten profitieren. Paris ist der offensichtlichste Nachfragemarkt. Bruessel und Amsterdam sind wichtige bestehende Verbindungen. Frankfurt und Genf werden oft als kuenftige Moeglichkeiten genannt. Die tatsaechlichen Fahrplaene haengen aber von Fahrzeugen, Trassen, Grenzprozessen und kommerziellen Prioritaeten ab.

Mehr taegliche Hin- und Rueckfahrten loesen auch nicht automatisch jede Spitze. Ein Freitagabend vor einem langen Wochenende kann weiterhin ausverkauft sein. Ein Sonntag in den Schulferien kann weiterhin teuer bleiben. Mehr Zuege wuerden helfen, aber die beliebtesten Zeitfenster bleiben die schwierigsten.

Die sinnvolle Haltung ist vorsichtiger Optimismus. Die Richtung ist positiv fuer alle, die den Zug dem Flugzeug vorziehen, aber die Details sind noch nicht belastbar genug fuer feste Reiseplaene.

Warum es ueber London hinaus wichtig ist

Das ist nicht nur eine London-Geschichte. Besserer Bahnverkehr durch den Tunnel veraendert, wie Reisende Ziele in Europa verbinden. Eine haeufigere Verbindung London-Paris kann Anschlusszuege nach Lyon, Marseille, in die Schweiz oder nach Spanien erleichtern. Bessere Optionen London-Bruessel koennen Verbindungen nach Belgien, Deutschland und in die Niederlande verbessern. Mehr Kapazitaet nach Amsterdam koennte die Bahn als Alternative zu Kurzstreckenfluegen staerken.

Fuer Reisen mit mehreren Staedten ist Frequenz oft wichtiger als Hoechstgeschwindigkeit. Ein Zug zur richtigen Zeit kann eine Uebernachtung sparen, das Anschlussrisiko senken oder eine Zwei-Staedte-Reise deutlich entspannter machen.

Auch fuer klimabewussteres Reisen zaehlt das. Viele Reisende bevorzugen bereits den Zug, wenn Fahrplan und Preis stimmen. Mehr Kapazitaet durch den Tunnel wuerde diese Wahl auf manchen Routen einfacher machen, besonders dort, wo die Bahn von Tuer zu Tuer gut mit dem Flugzeug konkurriert.

Wie man plant, waehrend sich der Markt entwickelt

Behandeln Sie die Nachricht vorerst als etwas, das man beobachten sollte, nicht als Garantie. Wer im naechsten Jahr oder in den kommenden zwei Jahren reist, sollte Tunnelzuege fuer beliebte Daten frueh buchen, Zeiten genau vergleichen und genug Puffer fuer Anschluesse einplanen.

Wenn Sie eine kuenftige Europareise ab London planen, achten Sie auf drei Dinge: Bekommen neue Betreiber Zugang zum Tunnel, wann gehen ihre Tickets tatsaechlich in den Verkauf, und welche Strecken starten zuerst? Ankuendigungen zu Zugbestellungen und Zugangsgenehmigungen sind wichtig, aber fuer Reisende zaehlt am Ende der veroeffentlichte Fahrplan.

Es lohnt sich auch, die gesamte Reise zu vergleichen, nicht nur die Hauptstrecke. Ein neuer Zug London-Bruessel kann zum Beispiel wegen der Anschluesse hinter Bruessel nuetzlich sein. Eine etwas langsamere oder weniger bekannte Route kann die bessere Wahl sein, wenn sie einen saubereren Umstieg bietet.

Fazit

Hochgeschwindigkeitszuege zwischen London und dem europaeischen Festland koennten bis Ende des Jahrzehnts deutlich haeufiger werden. Die optimistischste Variante spricht von rund 55 taeglichen Hin- und Rueckfahrten und Abfahrten, die sich zu starken Zeiten einem 15-Minuten-Takt annaehern.

Das waere eine echte Verbesserung fuer Reisende. Es haengt aber von mehr ab als von Ambition: Betreiber brauchen Tunnelzugang, nationale Genehmigungen, Depotkapazitaet, Fahrzeuge und Platz im Bahnhof. Bis diese Teile zusammenpassen, ist es eine vielversprechende Reisenachricht, aber noch kein bestaetigter neuer Fahrplan.

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