Die Wahl einer Airline haengt nicht nur vom Preis ab, der auf der ersten Suchseite erscheint. Gepaeck, Sitzplatzwahl, Streckenlaenge, Flughafen und die Art des Streckennetzes koennen stark veraendern, was Passagiere am Ende wirklich zahlen. Ein neues Ranking von AirAdvisor, ueber das Euronews berichtet, vergleicht 23 europaeische Fluggesellschaften anhand des Erloeses pro verfuegbarem Sitzkilometer. Das Ergebnis zeigt Preise aus einer anderen Perspektive: Regionale Spezialisten und klassische nationale Airlines liegen eher am teuren Ende, waehrend grosse Low-Cost-Anbieter die guenstigere Seite dominieren.
Was das Ranking misst
Die Studie nutzt die Kennzahl RASK, kurz fuer Revenue per Available Seat Kilometre. Vereinfacht gesagt zeigt sie, wie viel Passagiererloes eine Airline fuer jeden geflogenen Kilometer und jeden verfuegbaren Sitz erzielt.
Das geht weiter als ein einfacher Vergleich von Ticketpreisen. RASK kann Einnahmen aus Zusatzleistungen enthalten, etwa Aufgabegepaeck, Sitzplatzgebuehren und andere bezahlte Extras, nicht nur den zuerst angezeigten Flugpreis.
Trotzdem ist die Kennzahl kein perfekter Massstab fuer eine einzelne Reise. Ein frueh gebuchter Flug nur mit Handgepaeck kann ganz anders aussehen als eine Last-Minute-Buchung mit Koffer und Sitzplatzwahl. RASK hilft aber, Airlines ueber ihr gesamtes Netz hinweg zu vergleichen und einzuordnen, wie teuer sie im Verhaeltnis zu Entfernung und Kapazitaet sind.
Wideroe ist die teuerste Airline im Ranking
Den hoechsten Wert erreicht Wideroe, die norwegische Regionalfluggesellschaft. AirAdvisor nennt fuer sie einen RASK von 0,32 Euro, deutlich mehr als bei allen anderen Anbietern in der Liste.
Dieser Wert braucht Kontext. Wideroe funktioniert nicht wie eine typische paneuropaeische Billigairline. Die Gesellschaft verbindet viele kleine und abgelegene Flughaefen in Norwegen, darunter Gemeinden, in denen Fliegen Teil des grundlegenden Verkehrsnetzes ist und nicht nur eine Freizeitoption.
Kleinere Airlines haben oft hoehere Kosten pro Passagier. Sie fliegen kuerzere Strecken, nutzen kleinere Flugzeuge, bieten weniger Sitze, bedienen eine begrenztere Nachfrage und haben auf manchen Routen wenig Konkurrenz. Das kann Preise hoeher wirken lassen als bei Airlines, die grosse Maschinen auf stark nachgefragten Routen zwischen Metropolen fuellen.
British Airways fuehrt bei den grossen nationalen Airlines
Unter den groesseren nationalen Airlines im Ranking erscheint British Airways als teuerste. Ihr RASK fuer 2025 liegt bei 0,0888 Euro, leicht hoeher als im Vorjahr.
Danach folgen Air France und Austrian Airlines, beide bei rund 0,0850 Euro. Auch Lufthansa, Aegean Airlines, KLM, ITA Airways und SWISS liegen im oberen Teil der Tabelle.
Das bedeutet nicht, dass diese Airlines immer die falsche Wahl sind. Klassische Fluggesellschaften koennen bessere Flugzeiten, Langstreckenanschluesse, Allianzvorteile, Lounges, inkludiertes Handgepaeck oder mehr Unterstuetzung bei Stoerungen bieten. Bei manchen Reisen zaehlt das mehr als der niedrigste moegliche Preis.
Wichtig ist, die gesamte Reise zu vergleichen und nicht nur die Marke. Eine nationale Airline kann auf einer Route ein guter Wert sein und auf einer anderen teuer.
Wizz Air, easyJet und Ryanair sind am guenstigsten
Am anderen Ende des Rankings steht Wizz Air mit dem niedrigsten RASK von 0,0433 Euro. Dahinter folgen easyJet mit 0,0521 Euro und Ryanair mit 0,0556 Euro.
Das bestaetigt, was viele Europareisende bei der Flugsuche ohnehin erleben: Grosse Low-Cost-Airlines sind beim Preis schwer zu schlagen, besonders bei Punkt-zu-Punkt-Reisen, wenn die Flugzeiten passen und Zusatzkosten unter Kontrolle bleiben.
Der Unterschied kann spuerbar sein. AirAdvisor schaetzt, dass die Wahl von Wizz Air statt Air France auf einer durchschnittlichen europaeischen Flugdistanz bis zu etwa 50 Euro sparen koennte. Die tatsaechliche Ersparnis haengt aber immer von Route, Datum, Gepaeck und Buchungszeitpunkt ab.
easyJet und Ryanair weisen in den von AirAdvisor genannten Daten ebenfalls niedrigere RASK-Werte auf als 2024. Das deutet darauf hin, dass der Wettbewerb auf vielen europaeischen Kurzstrecken stark bleibt.
Finnair faellt unter den nationalen Airlines positiv auf
Fuer Reisende, die eine nationale oder klassische Airline bevorzugen, ist Finnair das auffaelligste Ergebnis. Sie wird als guenstigste der 11 grossen nationalen europaeischen Airlines in der Studie gefuehrt, mit einem RASK von 0,0622 Euro.
Damit liegt Finnair deutlich naeher am Low-Cost-Ende der Tabelle als an British Airways, Air France oder Lufthansa.
Fuer Reisende mit Bezug zu Portugal liegt TAP Portugal in der unteren Haelfte des Rankings, mit einem RASK von 0,0696 Euro. Sie gehoert insgesamt nicht zu den guenstigsten Airlines, liegt in diesem Vergleich aber unter mehreren grossen europaeischen Flag Carriern.
Warum Low Cost nicht immer am billigsten ist
Die guenstigste Airline in einem Ranking ist nicht automatisch die billigste Option fuer jede Reise. Low-Cost-Tarife funktionieren besonders gut, wenn Reisende flexibel sind und die Buchung einfach halten koennen.
Vor der Buchung lohnt sich ein Blick auf:
- Ob Handgepaeck enthalten ist.
- Die Kosten fuer Aufgabegepaeck.
- Gebuehren fuer die Sitzplatzwahl.
- Lage des Flughafens und Transferkosten.
- Flugzeiten und moegliche Nachttransfers.
- Umbuchungsregeln und Hilfe bei Stoerungen.
Ein Flug fuer 35 Euro kann schnell weniger guenstig sein, wenn der Flughafen weit entfernt liegt, die Rueckflugzeit eine Hotelnacht erzwingt oder Gepaeck den Preis verdoppelt. Wenn man leicht reist und die Route passt, kann die Ersparnis dagegen echt sein.
Wie man das Ranking vor der Buchung nutzt
Am sinnvollsten ist das Ranking als Schutz vor Annahmen. Eine Low-Cost-Airline ist nicht immer unbequem oder unpraktisch, und eine klassische Airline ist nicht immer ueberteuert. Die richtige Wahl haengt von der Route ab.
Vergleiche dieselbe Reise erst dann, wenn alle benoetigten Extras eingerechnet sind. Dazu gehoeren Gepaeck, Sitzplaetze, Gebuehren und Transfers, die du wirklich brauchst. Danach laesst sich der Gesamtpreis mit Flugzeiten und Stoerungsrisiko abgleichen.
Auch nahegelegene Flughaefen koennen sich lohnen. In Europa kann ein kleiner Wechsel beim Abflug- oder Zielflughafen den Preis stark veraendern, besonders rund um grosse Staedte mit mehreren Airlines.
Fazit
Das AirAdvisor-Ranking sieht Wideroe am teuren Ende der europaeischen Luftfahrt, vor allem wegen ihres regionalen Netzes. British Airways fuehrt bei den grossen nationalen Airlines, waehrend auch Air France, Austrian Airlines und Lufthansa weit oben liegen.
Das guenstige Ende wird von Wizz Air, easyJet und Ryanair dominiert. Finnair faellt als preislich attraktivste grosse nationale Airline der Studie auf. Fuer Reisende ist die praktische Lehre einfach: Entscheidend ist der Gesamtpreis der Reise, nicht nur der erste angezeigte Tarif.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Sei die erste Person, die kommentiert!
Kommentar hinterlassen