Manche europaeische Reiseziele empfangen Besucher in einer Groessenordnung, die reine Ankunftszahlen nur teilweise erklaeren. Eine Region kann auf der Karte klein wirken, doch wenn Millionen touristischer Uebernachtungen einer begrenzten Einwohnerzahl gegenueberstehen, wird der Druck deutlich sichtbarer. Neue Eurostat-Daten fuer 2024 sehen die griechischen Regionen Suedaegaeis und Ionische Inseln an der Spitze der touristisch am staerksten gesaettigten Regionen der Europaeischen Union. Beide kamen auf mehr als 100 touristische Uebernachtungen pro Einwohner und lagen damit weit vor den meisten anderen EU-Regionen.
Was touristische Saettigung bedeutet
Touristische Saettigung ist nicht dasselbe wie die absolute Zahl der Besucher. Grosse Staedte koennen Millionen Reisende aufnehmen und trotzdem eine grosse Wohnbevoelkerung haben. Kleinere Inselregionen koennen sich dagegen deutlich staerker belastet fuehlen, weil die lokale Basis begrenzt ist.
Die entscheidende Kennzahl lautet touristische Uebernachtungen pro Einwohner. Sie vergleicht Uebernachtungen in touristischen Unterkuenften mit der Zahl der Menschen, die in der Region leben. So laesst sich besser erkennen, wo Tourismus besonders stark auf Infrastruktur, Wohnraum, Verkehr, Abfall, Straende, Restaurants und Alltag wirkt.
Ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch schlechtes Management und auch nicht, dass Reisende ein Ziel meiden sollten. Er zeigt aber, dass Tourismus dort nicht nur ein Wirtschaftszweig ist. In solchen Regionen praegt er den Rhythmus des gesamten Ortes.
Die Suedaegaeis fuehrt das EU-Ranking an
Der hoechste Wert entfaellt auf die griechische Region Suedaegaeis, zu der bekannte Inseln wie Santorini, Rhodos und Kos gehoeren.
2024 verzeichnete die Region 127,2 touristische Uebernachtungen pro Einwohner. Dahinter standen mehr als 41,5 Millionen Uebernachtungen bei einer Wohnbevoelkerung von rund 326.000 Menschen.
Diese Zahlen erklaeren, warum die Tourismusdebatte auf Inseln wie Santorini so intensiv gefuehrt wird. Der Druck entsteht nicht nur durch die vielen Menschen, die im Sommer ankommen. Er entsteht auch durch das Ungleichgewicht zwischen Besucherwirtschaft und den Gemeinden, die Dienstleistungen, Verkehr und lokales Leben in der Hochsaison aufrechterhalten muessen.
Fuer Reisende bedeutet das nicht, dass die Suedaegaeis ihren Reiz verloren hat. Es bedeutet, dass das Erlebnis stark saisonal und stark konzentriert ist. Reisen ausserhalb der vollsten Wochen, laengere Aufenthalte an einem Ort, bewusste lokale Ausgaben und Respekt gegenueber kleinen Gemeinden werden in Zielen mit dieser Nachfrage besonders wichtig.
Die Ionischen Inseln folgen auf Platz zwei
Die Ionischen Inseln erreichten den zweithoechsten Grad touristischer Saettigung in der Europaeischen Union. Zur Region gehoeren Ziele wie Korfu und Zakynthos, die seit Langem mit Sommerurlaub im Mittelmeer verbunden sind.
Den Daten zufolge kamen die Ionischen Inseln 2024 auf 102,6 touristische Uebernachtungen pro Einwohner, bei rund 20,5 Millionen Uebernachtungen und etwa 200.000 Einwohnern.
Wie in der Suedaegaeis zeigt die Region, wie stark Inselurlaub den Abstand zwischen Besuchern und Wohnbevoelkerung vergroessern kann. Die Inseln haengen stark von Reiseeinnahmen ab, spueren aber zugleich die praktischen Folgen kurzer, intensiver Hochsaisons.
Dieses Gleichgewicht ist anspruchsvoll. Tourismus stuetzt Hotels, Restaurants, Verkehr, Guides, Bootsausfluege und viele lokale Arbeitsplaetze. Gleichzeitig kann eine sehr hohe Besucherdichte Strassen, Wasserverbrauch, Mietmaerkte und empfindliche Kuestenraeume belasten.
Weitere europaeische Regionen mit hohem Druck
Griechenland ist nicht das einzige Land, in dem sich Tourismus stark auf einzelne Regionen konzentriert.
Die italienische Provinz Bolzano, Zugang zu grossen Teilen der Dolomiten, verzeichnete 68,9 touristische Uebernachtungen pro Einwohner. Der Wert spiegelt die Bedeutung von Bergurlaub, Skireisen, Wanderferien und der mehrsaisonalen Attraktivitaet der Region wider.
Die kroatische Adriakueste folgte knapp dahinter mit 67,5 touristischen Uebernachtungen pro Einwohner. Sie umfasst stark nachgefragte Orte wie Dubrovnik und Split, wo Kreuzfahrten, Kulturerbe und Badeurlaub in begrenzten historischen und kuestennahen Raeumen zusammenkommen.
Die spanischen Balearen, darunter Ibiza und Mallorca, lagen bei 60 touristischen Uebernachtungen pro Einwohner. Die Inselgruppe steht seit Jahren im Zentrum europaeischer Debatten ueber Overtourism, besonders bei Wohnen, Nachtleben, Straenden und Ferienvermietungen.
Zurueck in Griechenland gehoert auch Kreta zu den am staerksten gesaettigten Regionen, mit 55,6 touristischen Uebernachtungen pro Einwohner. Kreta ist groesser und bevoelkerungsreicher als viele Inselziele, doch das Reisevolumen reicht weiterhin aus, um in den EU-Daten hervorzustechen.
Die meisten EU-Regionen liegen deutlich darunter
Das Ranking faellt auf, weil die Spitzenregionen so weit ueber der europaeischen Norm liegen. In den meisten Regionen der Europaeischen Union wurden weniger als 15 touristische Uebernachtungen pro Einwohner registriert.
Selbst die griechische Region Nordaegeis lag mit 14,9 touristischen Uebernachtungen pro Einwohner deutlich hinter der Suedaegaeis und den Ionischen Inseln. Der Vergleich zeigt, wie ungleich Tourismus innerhalb eines Landes verteilt sein kann.
Am anderen Ende der Skala kam die Region Mazowieckie rund um Warschau auf 0,7 touristische Uebernachtungen pro Einwohner. Mayotte, eine franzoesische Region im Indischen Ozean und Teil der EU, verzeichnete nur 0,5.
Diese niedrigen Werte bedeuten nicht, dass die Orte uninteressant sind. Sie zeigen lediglich, dass Tourismus sehr ungleich verteilt ist. Einige Regionen tragen einen sehr grossen Anteil der europaeischen Freizeitreisen, waehrend andere staerker von lokalem Alltag, Geschaeftsreisen oder kleinerem Reisevolumen gepraegt sind.
Was das fuer Reisende bedeutet
Fuer Reisende sind die Daten nuetzlich, weil sie vor der Buchung Kontext geben. Ein Ziel mit vielen touristischen Uebernachtungen pro Einwohner kann weiterhin schoen, lohnend und gut organisiert sein, wird sich im August aber wahrscheinlich ganz anders anfuehlen als im April, Mai, September oder Oktober.
Wer eine Reise in eine der am staerksten gesaettigten Regionen plant, sollte Folgendes bedenken:
- In der Nebensaison oder Zwischensaison reisen statt im Hochsommer.
- Mehrere Naechte bleiben statt nur kurz durchzureisen.
- Unterkuenfte waehlen, die lokale Regeln einhalten.
- Besuche ueber die vollsten Straende und Altstaedte hinaus verteilen.
- Faehren, Mietwagen und wichtige Restaurants frueh buchen.
- Realistisch mit Menschenmengen, Preisen und begrenztem Raum umgehen.
Die vollsten Orte sind oft aus guten Gruenden voll. Santorini, Korfu, Dubrovnik, die Dolomiten und die Balearen bieten Landschaften und Erfahrungen, die Reisende lange in Erinnerung behalten. Die beste Reise ist aber meist die, die die tatsaechliche Nachfrage einkalkuliert.
Fazit
Die Eurostat-Zahlen fuer 2024 zeigen, dass touristischer Druck in Europa stark konzentriert ist. Die Suedaegaeis und die Ionischen Inseln fallen mit mehr als 100 touristischen Uebernachtungen pro Einwohner besonders auf, waehrend auch Bolzano, die kroatische Adriakueste, die Balearen und Kreta eine hohe Besucherintensitaet zeigen.
Die Lehre daraus ist nicht, dass Reisende diese Orte meiden sollten. Vielmehr brauchen beliebte Regionen eine sorgfaeltige Planung, sowohl von den Reisezielen selbst als auch von ihren Besuchern. Wenn Tourismus die Wohnbevoelkerung so deutlich uebersteigt, machen Reisezeit, Verhalten und lokale Entscheidungen einen echten Unterschied.
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